Chokebore - It's a Miracle

Die fast vergessenen Helden des bedrückten Indie-Rocks mimen den kraftvoll leidenden Lazarus der Krach-Gitarre. Kein Gottesbeweis, aber für ein kleines Wunder reicht es allemal.

"I won't stay in L.A. and die inside my car." Dass es soweit kommen würde, hatte wohl niemand befürchtet, wohl aber, dass mit Chokebore eine weitere Secret Lieblingsband einsam und desillusioniert zu Grabe getragen wurde. Doch Wunder geschehen eben nicht nur in Albumtiteln, und so kommen Chokebore wie aus dem Nichts mit Album Nummer Fünf um die Ecke. Der Opener "Ciao L.A." überrascht durch ein flottes, einfaches und durchaus eingängiges Gitarrenriff mit Weezers Schmiss und Pixies' Gnaden, ansonsten hat sich bis auf die etwas hellere Stimmung im Vergleich zum bedrückenden Melancho-Overkill des Vorgängers "Black Black" nicht viel verändert. Die vier Exil-Hawaiianer haben sich schon vor sechs Jahren als Band erfunden und in einer ganz eigenen Ecke eingerichtet: Chokebore klingen wie niemand anders, und niemand anders klingt wie Chokebore. Vieles hier ist angenehm vertraut. Im Verhältnis 1:4 findet man hier anfangs versch(r)obene Indierocker wie "Little Dream", die ihre Wucht und Eleganz erst nach und nach offenbaren, sowie melancolische Mantras, die sich taumelnd nach vorne schleppen, die hypnotisieren, die einen wie emotionale Strudel festhalten und hinunter ziehen, die nicht wirklich eingängig, aber auch nicht ungemein sperrig sind, und am Ende mit dem einfachsten und schwierigsten Attribut zugleich vorlieb nehmen müssen: schön.

Ingo Neumayer

Visions #111 (Juni 2002)