Chokebore - It's a Miracle

Unsere Bewertung: 8/10

Eure Ø-Bewertung: 8/10 (Durchschnittswert)

Wenn Wunder wahr werden

Die Welt ist schlecht, böse, häßlich und gemein. Und just da dieser Gedanke einem durch den Kopf geistert, kommt aus heiterem Himmel ohne großartige Vorankündigung und Promotion ein neues Album von Chokebore, der traurigsten und besten Band, die jemals unter Hawaii's Palmen ihre Depression züchtete, und bestätigt einem diese Meinung. Manchmal ist es herrlich nicht allein zu sein! "You want someone to hold you and say you're not alone / You are not alone."

Doch diesmal sind sie gar nicht mehr so abgrundtief todesunglücklich wie auf dem letzten, vor stolzen vier Jahren erschienenen Brocken "Black Black". Unter dem eindringlichen, unverkennbarem Gesang von Troy Bruno von Balthazar blitzt bisweilen doch ein fast schon fröhliches Riff hervor. Dennoch würde auch dieses immer noch reichen, um einen Creed-Hörer ernsthaft zu irritieren. "Every song is always pure."

Und auch in anderer Hinsicht sind die Jungs etwas "konsumententenfreundlicher" geworden. Die Songstrukturen sind klarer, übersichtlicher und es gibt gelegentlich auch richtige Refrains. Aber bekennende Freunde dieser Gute-Laune-Allergiker brauchen nicht unnötig zu erschrecken. Chokebore sind weiterhin nur mit Chokebore vergleichbar. Ihre ureigenen Schöpfung des Minimal-Grunge bleibt unerreicht und ist intensiver denn je. Karg garniert hangelt sich die Schrammelgitarre von Akkord zu Akkord, während Troy Wahrheiten und persönliche Einsichten verkündet, die man eigentlich nie hören wollte. Das erinnert an einen guten Freund, der einem nach drei Flaschen Rotwein seine früheren Selbstmordabsichten gesteht und dann versichert, mittlerweile ganz gut klar zu kommen. "In the deepest part of my ruby red heart bristles like urchin grow."

Chokebore schaffen es, wie auch schon auf den Vorgängern, den krachigeren "Motionless" und "Anything Near Water", dem melancholischen "A Taste for Bitters" und dem depressivem "Black Black", eine unnachahmliche Präsenz und Intensität zu entfalten, wie sie sonst kaum zu finden ist. "It's like I swim in sound / And the way it feels means everything for me."

Highlights:
Ciao L.A.; Ultra-Lite; Police; Person You Chose

Referenzen:
B. Balthazar; Aereogramme; Pixies; Pavement; Snow Patrol; Mogwai; Slint; Sonic Youth; Fugazi; Girls Against Boys; Dismemberment Plan; Enon; Mudhoney; Nirvana; Mercury Rev; Low; Sophia; Spain; Black Heart Procession; Savoy Grand

Peter Schiffmann

Plattentests (2002)