Chokebore - It's a Miracle

Um es gleich vorweg zu nehmen, Chokebore ist es gelungen, das äußerst hohe Niveau zu halten, ohne eine Kopie ihrer letzten Platte abzuliefern. Das fünfte Album dieser Band aus Honolulu, Hawaii, hält, was der Titel verspricht.
Aufgenommen wurde diesmal wieder in Los Angeles, wo die Band seit 1992 zu Hause ist. Produzierte Peter Deimel noch zusammen mit der Band die letzten beiden Platten, so wurden sie diesmal von Frances Miranda unterstützt.
Die Grundstimmung ist fast noch düsterer als bei "Black Black", was sich auch im Tempo der Stücke bemerkbar macht. Bei lediglich zwei der elf Songs wird klassisch gerockt, ansonsten dominieren zähe, balladeske Stücke, die wie bei "Ultra-Lite" und "Police" mit melancholischen Pianomelodien untermalt werden.
Ansonsten überzeugen Chokebore durch alt bewerte Stärken. Das sind vor allem der Wechsel von Laut/Leise oder der plötzliche (Tempo-)Abbruch inmitten oder am Ende der Stücke. Die unverwechselbare Stimme des Sängers, der in seinen Texten die Verzweiflung und Wut ausdrückt, die ihn ab und an quält, vollendet einen von Melancholie und Zerrissenheit geprägten Gesamtsound.
Auffällig an "It's a Miracle" ist der Einsatz verschiedenster Gitarrensounds. Bei "Geneva" z. B. harmonieren perfekt aufeinander abgestimmte akustische und verzerrte Gitarren. "Snow" wird von fast nach Synthesizer klingenden Gitarren geprägt. "Be Forceful" besticht durch eine gezupfte akustisch gespielte Melodie, die das komplette Stück anhält. Darüber liegen, bis zur Mitte des Songs sich steigernde Noise-Akkorde von Gitarre als auch Bass.
Bei aller Detailverliebtheit verzettelt sich die Band aber an keiner Stelle.
Mit dieser Platte untermauern Chokebore ihren Kultstatus im Indie/Noiserocklager, der seinen Einfluss bei manch junge Band in den letzen Jahren hinterlies.

T.H.

Kultura-Extra (9 Mai 2002)