Chokebore - It's a Miracle

Vor Jahren begegnete ich Troy mal in Köln auf seiner two-man Special-Reise, die ihn zusammen mit Dirk von Lowtzow durch die Lande trug. Das war schon nach der letzten Chokebore und dazu noch fantastisch. Beide croonten in einer traurig starhlenden Art, dass man nur noch heulen wollte - wenn man der Typ dafür wäre, versteht sich. Danach wurde es still um Troy und seine Band, sogar verbindlich ließ ich mir letztes Jahr noch von irgendwem versichern, dass bei von den vier Hawaiianern nichts mehr zu erwarten sei. Die seien auf dem Weg zum völligen Fade-Out. Jammerschade um eine der größten underrated Indie-Gitarrenbands ever. Doch dann das hier. It's quasi wirklich a miracle. Und was für eines. Denn die Jungs, die seit geraumer Zeit LA ihrer Stukka-gepeinigten Insel vorziehen, teilen außer der Freude an ihrer Existenz noch ihr bis dato bestes Album aus. Und das kann trotz des Depro-Knallers "Black Black" von einst gesagt werden. Chokebore haben ihre Koordinaten dafür etwas verschoben. Wo sonst ein Soundscape der Verzweiflung herrschte, ist die Band im nächsten Jahrtausend vielseitiger geworden. Aufbrechen - ohne dabei aber die Dichte der Atmosphäre einzubüßen. Durch die Hinzunahme von concrete Pop wie in Form des Openers "Ciao L.A." oder die Songwriter-esken Momente (wie auf "Geneva") zusätzlich zum charakteristischen Malm-Core mit den stehengelassenen Gitarren-Akkorden ergibt sich ein ungeahntes Potential. Waren Chokebore bisher immer ein wenig sehr speziell und daher letztlich doch nur im Spezialisten-Kreise der Hit, könnte dieses Album neue Türen öffnen. Ohne dass man sich als alter Sound-Intimus ekeln müsste. Denn ganz so behindert, wie das Info geifert "spätestens ab 'It's a Miracle' muss man sie als 'THE next big thing' bezeichnen", wird das natürlich nicht vonstatten gehen. Dafür fehlt der Band immer noch dankenswerterweise dieses dümmliche Großbuchstabentum von THE next big thing. Trotzdem - hier kommt eine Platte, die den hausinternen Fanclub wird aufstocken kann. Leidet lieber ungewöhnlich - allein diese Stimme schockt wie sonst kaum eine. Unser Beitrag, das unters Volk zu bringen, ist da die Einladung zu Introducing 2002 im Rahmen der diesjährigen Popkomm. Sie kommen.

Linus Volkmann

Intro (2002/05/29)