Chokebore - Anything Near Water

Lieblings-Noise-Band-Charakter, dieses hier. Chokebore fressen Seelen, ziehen Dich durch Troy Millers weltschmerzgeprügelte Jammerstimme, krachend rohe Passagen und gewaltfreie Leisetöne in die Abgründe geistiger Trauer. Dort angekommen, nehmen sie Deine durch Traurigkeit gelähmte Seele und lassen sie einfach platzen. Schöner Schmerz, dieses hier. Wenn Chokebore auf irgendeinem Label gelandet wären, würden sie dort in die Ecke für abgedrehte, verquere Musik gehören. Chokebore sind aber auf dem für schräge Noise-Eskapaden bekannten "AmRep"-Label und dort eher in der dem Mainstream am nächsten gelegenen Ecke. Für eine "AmRep"-Band sind sie wirklich verhältnismäßig eingängig und verbraucherfreundlich, ohne Plobleme für die Großfamilie verwendbar. "Anything Near Water" ist sogar noch um einiges gradliniger ausgefallen als ihr Debüt "Motionless", das schon bewies, daß sie ihre Hausaufgaben immer verantwortungsvoll gemacht haben. Genau wie ihr Debüt ist "Anything Near Water" genauso wenig als fröhlicher Stimmungsmacher für Parties wie für depressive Mitmenschen geeignet. Aber dafür DIE Scheibe für den kollektiven Selbstmord!

Carsten Mohn

Intro (1995/04/26)