Chokebore - It's a Miracle

Redaktionswertung: 8/10

Schöner Schwermut

Sogenannte Geheimtipps haben es schwer. Auch wenn Horden begeisterter Musikredakteure ihre Platte abfeiern und sie auf Touren in sämtlichen Jugendheimen gastieren: Ihre Bemühungen ähneln dem Hamster im Laufrad. Es geht vorwärts und wieder doch nicht. Der leidige Konjunktiv vor dem "Next Big Thing" hat schon so manche hoffnungsvolle Karriere stranden lassen. Auch Chokebore hatte man in den Plattenregalen schon Richtung Antiquaritäten geräumt. Black Black erschien als letztes europäisches Lebenszeichen der Band vor mehr als vier Jahren, wurde seitens der Presse mit überschwänglichem Lob bedacht und schaffte trotzdem nicht den Durchbruch.

Nun klopft aus heiterem Himmel It's a Miracle an die Tür und kann schon nach einem kurzen Besuch im CD-Schacht sich aller Auszeichnungen sicher sein. Feinste Indie-Perlen, die nicht ganz zeitgemäß, aber dafür umso eigensinniger rüberkommen. Songs, die ihre Kraft aus der Spannung zwischen Verzweifeln und Verdammen schöpfen. Kleine Stücke über das Leben im Besonderen. Persönlich wie das Gespräch mit einem guten Freund.

Das Album lebt von seiner Launenhaftigkeit, der beständigen Variation, der atemlosen Suche. Feine Balladen reißen herab in die Tiefe (Person You Chose), während die rockigen Klänge (Ciao L.A.) den Weg nach draußen Richtung Auto suchen. Mehr Pop als Black Black zu sein wagte, aber deswegen noch lange nicht gefällig. It's a Miracle hat Persönlichkeit und wird gerade deshalb wieder den Titel des Geheimtipps verpasst bekommen. Solange dass die Jungs nicht zum Anlass nehmen, weitere vier Jahre bis zur nächsten Platte zu warten, sollte man das aber so verstehen wie es gemeint ist: Standing Ovations, auch abseits der großen Bühne.

Anspieltipps
01. Person You Chose
02. Ciao L.A.

Thorsten Thiel

Alternative Nation (13 Mai 2002)